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Kritische Störfaktoren bei der Hygiene

Bei Reinigung und Desinfektion von Schlauchleitungen ist Sorgfalt geboten.

Schlauchleitungen in der Lebensmittelindustrie können hygienische Schwachstellen sein. Falsch konfektionierte Leitungen bergen Schmutznester, die nur schwer zu reinigen sind. Aber auch die Desinfektion selbst ist kritisch. Ungeeignete Reinigungsmittel können den Schlauch zerstören.

Seit August 1998 ist eine neue deutsche Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) in Kraft getreten. Als Geltungsbereich für die neue LMHV ist die gewerbsmäßige Herstellung, Behandlung und Inverkehrbringung von Lebensmitteln definiert. Die LMHV orientiert sich an den Grundsätzen des amerikanischen HACCP-Konzepts (Hazard Analysis and Critical Control Points), welche in der LMHV § 4, Abs. 1, aufgeführt sind. Das HACCP-Konzept behandelt potenzielle Gefahren, die während des Verarbeitungsprozesses von Lebensmitteln auftreten können und eine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher darstellen. Diese Gefahren müssen identifiziert und analysiert werden (engl.: hazard analysis). Des Weiteren werden kritische Lenkungspunkte (engl.: critical control points) bestimmt, durch deren Kontrolle und Lenkung Gefahren beseitigt oder auf ein akzeptables Maß minimiert werden.

Obwohl an der Lebensmittelherstellung nicht aktiv beteiligte Elemente wie Schlauchleitungen im neuen LMHV nur selten berücksichtigt werden, sondern dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) unterliegen, ist in der Anlage zur LMHV zu § 3 Satz 2 im Kapitel 4, Punkt 2 und 3, eindeutig gefordert, dass Gegenstände und Ausrüstungen sauber und instand zu halten sind. Weiterhin müssen Vorrichtungen, die der Beförderung von Lebensmitteln dienen, so beschaffen sein, dass eine angemessene Reinigung und Desinfektion möglich ist. Wenn auch nicht explizit aufgeführt, gehören im Sinne der LMHV damit auch Schlauchleitungen zu den „critical control points" (CCP's) des HACCP Konzepts, sind also zu überprüfen und unter Kontrolle zu halten. Denn in Schlauchleitungen können unter Umständen hygienische Beeinträchtigungen wie Reinfektionen und Verkeimungen entstehen.

Kritischer Störfaktor Armatur
Bei einer Diskussion zum Thema Hygiene in Verbindung mit Schlauchleitungen ist zunächst ein Auge auf die Armaturen zu werfen. Denn falsch oder laienhaft montierte Armaturen in Weichstoffmaterialien von Schlauchleitungen wurden schon oft zu innerhalb der Leitung liegenden Schmutznestern, die sich als Reinigungsproblem erwiesen. Spannbänder und Schelleneinbindungen sind als beliebte Befestigungsart leider immer noch über alle Branchen der Lebensmittelwirtschaft stark verbreitet. Gerade sie stellen aber ein Sicherheits- bzw. Hygienerisiko dar – sie sind nicht mehr zulässig!
Wird zum Beispiel eine derart konfektionierte Schlauchleitung auf Grund ungünstiger Positionierung am Schlauchende stark gebogen, kann sich der Schlauch vom schlauchseitigen Stutzenende der Armatur leicht abheben und schon ist ein Totraum entstanden, der sich auch bei normaler Positionierung des Schlauches nicht spülen und desinfizieren lässt. Hier haben die aus der Chemie und Pharmazie bekannten Schalenarmaturen eindeutige Vorteile. Sie sind in vielen Abmessungen auch in der für die Lebensmittelindustrie erforderlichen Edelstahlausführung erhältlich. Als noch vorteilhafter und hygienischer gelten verpresste Armaturen. Vor allem, wenn deren Außenhülse länger ist als der Innenstutzen, da dann ein Totraum zwischen Schlauch und Armaturen-stutzen nicht auftreten kann. Zudem sind Klemm- und Pressarmaturen besonders sicher, weil die Festigkeit dieser Verbindung zwischen Schlauch und Armatur höhere Werte aufweist als der Berstdruck des Schlauches. Ein Ausreißen der Armatur und wildes Schlagen des unter Druck stehenden Schlauches wird vermieden. Grundsätzlich gilt für die Betreiber: Die Armaturenmontage ist in den Händen von Fachkräften die bessere Alternative.
Zudem werden so Montage- und Umrüstzeiten vermieden sowie der Beschaffungs- und Lageraufwand reduziert.

Schäden durch Reinigung und Desinfektion
Nicht nur bei der Auswahl der Armaturen, auch bei der Reinigung und Desinfektion der Schlauchleitung ist Sorgfalt geboten. Denn Gummi ist nicht gleich Gummi. Trotz etwa 40 Grundkautschuksorten, fast 400 Weichmachern sowie rund 300 verschiedenen Alterungsschutzmitteln sind viele Werkstoffe für Lebensmittel nicht geeignet. Sie können der Empfehlung XXI des LMBG nicht entsprechen. Daher sollte unbedingt die Eignung der Schlauchleitung für das jeweilige Durchflussgut Beachtung finden.

Nützlich sind hier Beständigkeitstabellen hinsichtlich Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Als Beispiel soll die Reinigungs- und Desinfektionsmitteltabelle eines bekannten deutschen Schlauchherstellers dienen. Hier sind Grundreinigungsmittel wie Wasser, Dampf, Natronlauge sowie diverse Kombinationspräparate aufgeführt. Als praxistauglich erweisen sich solche Tabellen jedoch erst dann, wenn auch Belastungsdauer, maximale Einsatztemperaturen und maximale Konzentrationen bestimmt werden.

Beispiel für eine aussagefähige Beständigkeitstabelle hinsichtlich Reinigungs- und Desinfektionsmittel für LACTOPAL® und LACTOPAL® L

Medium Max. Konzentration
in %
Max. Temperatur
in °C
D Wasser -- 90
D Dampf -- 110
D Dampf -- kurzz. 130
R Natronlauge 2,0 85
R Kalilauge 2,0 85
D AM 50 0,1 RT
R ATR sauer BN 1,5 60
R Purexol flüssig 1,0 70
R Alcamix L 1,5 60
D Octozon 0,1 RT
D Octozon G 0,1 RT
D Octozon sauer ATR 0,5 80
R RS 6 1,0 60
R RA 2 1,5 60
R Adisan blau 1,0 70
D Perosin 0,3 RT
D VB 31 Booster 0,3 RT
R VA 19 Bruspray Acid 1,5 60
R VA 05 Pascal 1,0 60
R+D P3 - flüssig OS 1,5 60
R+D P3 - ansep CIP 1,0 50
R P3 - mip CIP 1,0 80
R P3 - horolith BSR 1,0 40
R Niroklar sauer flüssig 1,0 60
R+D Niroklar 2000 1,0 70
D Neoseptal D 0,3 RT
D Neoseptal FD 0,5 RT
R+D Kombicid AT 0,5 70

RT = Raumtemperatur +20 bis 25°C, kurzz = max. 20 min.
D = Desinfektionsmittel, R = Reinigungsmittel

Übrigens: Bei der heute immer noch gebräuchlichen Standdesinfektion über das Wochenende dürfen die Konzentrationen diverser Desinfektionsmittel nur 50 Prozent der Hersteller-Angaben betragen.

Wirklich komplette Listen für alle Reinigungsmittel sind durch ständig wechselnde Zusammensetzungen nicht verfügbar. Auskünfte zu nicht benannten Präparaten erteilen aber alle guten Schlauchlieferanten auf Anfrage.

Quelle: ContiTech Fachbeitrag (03/2009)

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